Kaum eine Frage kommt in der Beratung so oft wie diese: „Darf ich die Markise ausgefahren lassen, wenn es zu regnen beginnt?“ Die ehrliche Antwort lautet: Das hängt von Ihrer Anlage ab – und die Unterschiede sind größer, als die Begriffe auf den ersten Blick vermuten lassen. Dieser Beitrag erklärt, was „regenbeständig“ und „wasserdicht“ tatsächlich bedeuten, woran Sie die Belastbarkeit Ihrer Markise erkennen und ab wann eine feste Überdachung die sinnvollere Lösung ist.
Kurz gesagt: Leichten Regen verträgt eine Markise mit ausreichender Neigung meist, bei Starkregen sollte eine normale Markise eingefahren werden. Wie viel sie aushält, zeigt die Regenwiderstandsklasse nach EN 13561: Klasse 0 gar keinen Regen, Klasse 1 bis 17 und Klasse 2 bis 56 Liter pro Quadratmeter und Stunde. Für Dauerregen gebaut sind nur wasserdichte Markisen.
Regenbeständig ist nicht wasserdicht
Eine klassische Gelenkarmmarkise ist zuallererst ein Sonnenschutz. Sie fängt Sonnenstrahlen ab und verhindert, dass sich Terrasse, Balkon und die dahinterliegenden Räume aufheizen. Dass sie bei einem kurzen Schauer auch trocken hält, ist ein angenehmer Nebeneffekt – aber keine Konstruktionseigenschaft, auf die man sich bei jedem Wetter verlassen kann.
Der Unterschied liegt in drei Punkten: im Tuch, in der Neigung und in der Konstruktion. Ein imprägniertes Acryltuch perlt leichten Regen ab. Es ist deshalb nicht dicht. Ein Tuch aus PVC kann dagegen hundertprozentig wasserdicht sein. Und selbst ein dichtes Tuch nützt wenig, wenn das Wasser nicht ablaufen kann.
Alle Markisen, die in Österreich in Verkehr gebracht werden, unterliegen seit 2006 einer CE-Kennzeichnungspflicht nach der Euronorm EN 13561. Diese Norm regelt unter anderem die Sicherheitswindlast und die Wasserlast – sie ist der Grund, warum sich Markisen überhaupt sinnvoll miteinander vergleichen lassen.
Regenwiderstandsklassen: was 0, 1 und 2 bedeuten
Die EN 13561 teilt Markisen in drei Regenwiderstandsklassen ein. Sie stehen im Datenblatt Ihrer Anlage und sind die verlässlichste Auskunft über die Regentauglichkeit:
- Klasse 0 – nicht für den Einsatz bei Regen geeignet.
- Klasse 1 – hält eine Regenmenge von bis zu 17 Litern pro Quadratmeter und Stunde aus.
- Klasse 2 – hält bis zu 56 Liter pro Quadratmeter und Stunde aus.
Ein wichtiger Vorbehalt, der oft übersehen wird: Die Regenwiderstandsklasse sagt nichts darüber aus, ob sich im Tuch ein Wassersack bilden kann. Genau der ist aber die häufigste Schadensursache. Sammelt sich Wasser in einer Mulde des Tuchs, wirkt dort schnell ein Gewicht, für das die Anlage nicht ausgelegt ist – mit Folgen für Tuch, Gelenkarme und Befestigung.
Wasserdichte Markisen begegnen diesem Problem konstruktiv: Bei der patentierten wasserdichten Bauweise stützen zwei beweglich auf den Gelenkarmen gelagerte Pfetten das Tuch von unten. Das Tuch bleibt gespannt, hängt nicht durch, und das Regenwasser läuft kontrolliert ab.
Das Tuch entscheidet mit
Acryl ist der Standard für Markisentücher. Acrylfasern sind reißfest, farbstabil und widerstandsfähig gegen starke Sonneneinstrahlung. Die Imprägnierung wirkt schmutz-, fett-, wasser- und ölabweisend; sie ahmt den aus der Natur bekannten Lotuseffekt nach und hemmt die Bildung von Schimmel und Algen. Bei leichtem Regen und entsprechender Neigung ist ein Acryltuch einsetzbar – bei Dauerregen nicht.
Precontraint 302 ist ein Hochleistungsgewebe aus PVC, das eigens für wasserdichte Markisen entwickelt wurde. Es ist zu 100 Prozent wasserdicht, geruchsneutral, schwer entflammbar (B1), längenstabil und leicht zu reinigen. In jeder Farbe – auch in Weiß – erreicht es den höchsten Sonnenschutzfaktor von 80. Dieses Tuch hält auch Dauerregen ohne Schäden stand.
Wenn Sie Ihre Terrasse bei jedem Wetter nutzen wollen, ist das Tuchmaterial also keine Geschmacks-, sondern eine Funktionsentscheidung.
Neigung, Regenrinne, Schutzdach: worauf es bei der Montage ankommt
Auch das beste Tuch braucht ein Gefälle. Der Neigungswinkel wird bei der Montage eingestellt – je flacher die Markise steht, desto eher bleibt Wasser liegen. Wie steil Ihre Anlage stehen kann, hängt von der Fassade, der Durchgangshöhe und der gewünschten Beschattung ab; das klären wir beim Naturmaß vor Ort.
Zwei Bauteile machen den Unterschied im Alltag:
- Eine im Ausfallprofil integrierte Regenrinne sorgt dafür, dass das Wasser seitlich kontrolliert abläuft statt vorne über die gesamte Breite herunterzulaufen.
- Ein Regenschutzdach schützt eine offene Gelenkarmmarkise im eingefahrenen Zustand vor Witterung und Schmutz. Bei offenen Markisen fehlen die schützenden Profile – an einer ungeschützten Fassade ist ein Schutzdach deshalb dringend zu empfehlen. Kassetten- und Halbkassettenmarkisen brauchen das nicht: Bei ihnen verschwindet die Technik beim Einfahren in den Profilen.
Bei elektrisch angetriebenen Anlagen übernimmt ein Regenwächter die Entscheidung für Sie: Er fährt die Markise bei einsetzendem Regen automatisch ein. Sinnvoll ist er vor allem in Kombination mit einem Wind- und Sonnenwächter – etwa dem 3D-Sensor, der kabellos am Ausfallprofil sitzt und auf die Bewegung der Markise reagiert.
Unser Tipp
Wurde das Tuch nass eingerollt, fahren Sie die Markise bei der nächsten trockenen Gelegenheit noch einmal aus und lassen Sie sie durchtrocknen. Bleibt Feuchtigkeit über Tage in der Kassette, bilden sich Stockflecken – die lassen sich später nur mit Aufwand oder gar nicht mehr entfernen.
Wenn es dauerhaft trocken bleiben soll
Es gibt einen Punkt, ab dem keine Markise mehr die richtige Antwort ist: wenn die Terrasse zum ganzjährig nutzbaren Außenraum werden soll, mit Möbeln, die stehen bleiben, und Plätzen, die auch bei angekündigtem Regen verlässlich frei sind.
Regenfeste Markise

- Regenfestes PVC-Tuch, kontrollierter Ablauf
- Verschwindet bei Nichtgebrauch fast vollständig
- Nachrüstbar an bestehender Fassade
- Beschattung nur bei ausgefahrenem Tuch
Alu Lamellendach

- Feste Konstruktion, witterungsunabhängig
- Dauerhaft sichtbares Bauteil
- Planung, Fundament und Statik erforderlich
- Lamellen stufenlos verstellbar – Schatten oder offener Himmel
Fazit
Ob Ihre Markise im Regen draußen bleiben darf, entscheiden drei Dinge: die Regenwiderstandsklasse nach EN 13561, das Tuchmaterial und die Neigung samt Wasserablauf. Für gelegentliche Schauer genügt eine gut geneigte Anlage mit imprägniertem Acryltuch. Wer die Terrasse bei jedem Wetter nutzen will, braucht ein wasserdichtes Tuch und eine Konstruktion, die den Wassersack von vornherein verhindert – oder gleich eine feste Überdachung.
Häufig gestellte Fragen
Darf ich meine Markise bei Regen ausgefahren lassen?
Nur, wenn sie dafür ausgelegt ist. Bei Regenwiderstandsklasse 0 fahren Sie besser ein. Bei Klasse 1 oder 2 kommt es zusätzlich auf die Neigung an. Im Zweifel gilt: einfahren, und das Tuch später trocknen lassen.
Was ist ein Wassersack, und warum ist er gefährlich?
Hängt das Tuch durch, sammelt sich Regenwasser an der tiefsten Stelle. Ein Liter Wasser wiegt ein Kilogramm – auf wenigen Quadratmetern entsteht so rasch eine Last, für die Tuch, Gelenkarme und Wandbefestigung nicht ausgelegt sind. Die Regenwiderstandsklasse schließt einen Wassersack ausdrücklich nicht aus.
Kann ich eine bestehende Markise nachträglich regenfest machen?
Nur eingeschränkt. Neigung nachjustieren, ein Regenschutzdach ergänzen oder das Tuch tauschen ist häufig möglich – aus einer Anlage der Klasse 0 wird dadurch aber keine wasserdichte Markise, weil dafür die Konstruktion fehlt. Wir sehen uns Ihre Anlage vor Ort an und sagen Ihnen offen, was sinnvoll ist und was nicht.